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Protonentherapie und Schwerionentherapie – hochpräzise Behandlung gegen Krebs

„Am Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum, kurz HIT, bieten wir seit 2009 als erstes europäisches Zentrum diese hochwirksame und gleichzeitig schonende Bestrahlungstherapie bei ausgewählten Krebserkrankungen an.“

Prof. Dr. Dr. Jürgen Debus
Ärztlicher Direktor, Abteilung für Radioonkologie / Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum

 

 








Was ist Protonentherapie?

Es handelt sich bei der Protonentherapie um eine Bestrahlungsform, die Tumorzellen noch wirksamer zerstört. Die häufigsten Bestrahlungen werden weltweit mit winzig kleinen Lichtpartikeln (zumeist Röntgenstrahlen), sogenannten Photonen, durchgeführt. Im Unterschied dazu bestehen bei einer Protonenbehandlung die Strahlen aus geladenen Kernen (=Ionen) von Wasserstoffatomen. Diese können am HIT dank einer hochkomplexen Ausstattung mit höchster Präzision und mit über 75% der Lichtgeschwindigkeit in den Tumor gelenkt werden und dort ihre zerstörerische Wirkung entfalten.

Was ist Kohlenstoffionen- / Schwerionentherapie?

Bei der Bestrahlung mit Kohlenstoffionen werden geladene Kohlenstoffkerne in den Tumor gesteuert. Diese sind besonders schwer und energiegeladen; daher wird diese Bestrahlung auch Schwerionentherapie genannt. Das HIT ist eines von wenigen Zentren weltweit, das die Bestrahlung mit Schwerionen anbietet. Die biologische Wirksamkeit der Kohlenstoffionen ist noch größer als die von Protonen und wird bei bestimmten Krebsarten eingesetzt.

Sowohl Protonen- als auch Schwerionentherapie werden über die gleiche Therapieanlage durchgeführt (nur die Art der geladenen Teilchen/Ionen, die in die Anlage eingespeist werden, unterscheidet sich).

Welche Erkrankungen werden am HIT behandelt?

Derzeit behandeln wir unter anderem die folgenden Krebserkrankungen bei Kindern und Erwachsenen: 

  • Speicheldrüsenkarzinome, z.B. adenoid-zystisches Karzinom
  • HNO-Tumoren, z.B. Parasinuskarzinome
  • Chordome / Chondrosarkome etwa der Schädelbasis oder des Beckens
  • Prostatakarzinom (Prostatakrebs) 
  • Hirntumoren, z.B. Glioblastome, Gliome, Meningeome, Pilozystisches Astrozytom, u. w.
  • Pankreaskarzinome
  • Leberkarzinome
  • Enddarm-Karzinom-Rezidive
  • Lungenkarzinome
  • Krebserkrankungen, bei denen eine Ionenbestrahlung vorteilhaft ist, etwa da sie besonders tiefliegende Tumoren effektiv behandeln kann oder das umliegende Gewebe besonders geschont werden muss.
  • Lymphome, z.B. Mediastinale Maligne Lymphome
  • MPNST

 

Weitere Erkrankungen (gutartige Tumore und Erkrankungen):

  • Zerebrale Arteriovenöse Malformation (AVM)
  • Juvenile Angiofibrome

Was sind Vorteile der Protonentherapie / Schwerionentherapie am HIT?

Ionenstrahlen sind in manchen Fällen die bestmögliche Therapie, da sie besonders effektiv und hochpräzise steuerbar sind und kaum Nebenwirkungen verursachen.

  • Bei der Ionenbestrahlung (auch Partikeltherapie) können dank der biologisch hohen Wirksamkeit und im Vergleich zu Photonen höheren Effektivität die Heilungschancen verbessert werden. Auch Tumoren, die auf die herkömmliche Strahlentherapie nicht ansprechen, können so effektiv behandelt werden.
  • Ionenstrahlen können auch tief im Körper liegende Tumoren erreichen. Die geladenen Teilchen werden im HIT auf über drei Viertel der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und dann zielgenau ins Tumorgewebe geschickt. Je nach Geschwindigkeit bzw. Energie können die Ionen bis zu 30 Zentimeter tief ins Gewebe eindringen. Photonen dagegen verlieren auf dem Weg zum Tumor einen zu großen Teil ihrer Energie an das umliegende Gewebe und sind in ca. 3 cm Gewebetiefe am effektivsten. 
  • Die biologische Wirkung ist bei Schwerionen besonders stark – hiermit steht etwa für Patienten mit bestimmten Tumoren wie z.B. Chordomen und Chondrosarkomen erstmals eine wirksame Behandlung zur Verfügung. 

 

 

  • Ionen treffen den Tumor viel genauer und geben ihre therapeutische Energie treffsicher im Tumor ab – umliegendes gesundes Gewebe wird geschont und es treten weniger Nebenwirkungen auf. Dieser Vorteil ist besonders wichtig bei Tumoren, die nah an empfindlichen Geweben liegen, wie etwa an der Schädelbasis, dem Sehnerv oder Darm.
  • Besonders bei Kindern wird die Protonentherapie bevorzugt, da hierbei auch weniger langfristige Nebenwirkungen erwartet werden als bei herkömmlicher Bestrahlung.
  • Protonen und Kohlenstoffionen können am HIT mit allerhöchster Präzision gesteuert werden – dank

    • Intensitätsmoduliertem Rasterscan-Verfahren, einem von Heidelberger Experten entwickelten Verfahren – hiermit wird die hochpräzise Dosisverteilung sichergestellt
    • der weltweit ersten Schwerionen-Gantry – diese Konstruktion aus 600t Stahl ermöglicht, dass der Strahl aus jeder beliebigen Richtung auf den Körper gelenkt werden kann – ohne Gantry kommt der Strahl nur aus einer Richtung. 
    • und Online-Therapiekontrolle – bis zu 100.000 Mal pro Sekunde werden wichtige Strahleigenschaften überprüft.

Welche Besonderheiten für eine Ionenstrahltherapie bietet das Universitätsklinikum Heidelberg?

Das HIT ist räumlich und organisatorisch eng verbunden mit dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen NCT, das als erstes Comprehensive Cancer Center in Deutschland ein europaweit führendes onkologisches Zentrum ist.

Für alle Krebserkrankungen stehen nahezu sämtliche hochmoderne Behandlungsmethoden und vielfältige innovative Behandlungskonzepte zur Verfügung.

Bei komplexen Erkrankungssituationen entwickeln interdisziplinäre Expertenteams die optimale Therapiestrategie für jeden Patienten. Bei Bedarf kann eine kombinierte Chemotherapie im benachbarten Gebäude der Kinderklinik oder des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) angeboten werden. Auch bei weiteren Behandlungsbedarfen stehen die Experten der mehr als 40 Fachabteilungen des Universitätsklinikums Heidelberg zur Verfügung.

Video

Weitere Informationen:

Um eine Behandlungsmöglichkeit am HIT zu prüfen, benötigen unsere ärztlichen Experten einige Informationen von Ihnen. Bitte übermitteln Sie folgende Informationen sicher und schnell über unser Telemedizinportal

  • Aktueller Arztbrief (Informationen zu Erkrankungen und zur bisherigen Behandlung) in Englisch oder Deutsch
  • MRT- / CT-Bilder im DICOM-Format (der durchführende Radiologe wird Ihnen diese auf einer CD geben) vor einer eventuell durchgeführten OP / nach einer eventuell durchgeführten OP und – sollten diese Bilder älter als 3 Monate sein, werden zusätzlich aktuelle Bilder benötigt
  • Histologischer Bericht – falls nicht im Arztbrief aufgeführt
  • Bestrahlungsprotokoll, falls bereits eine Bestrahlung durchgeführt wurde

Weitere Informationen zum Ablauf finden Sie hier

Die Kosten werden jeweils im Einzelfall kalkuliert, da sie von dem individuellen Therapieplan abhängen. Nach Vorlage Ihrer Unterlagen können wir einen Kostenplan erstellen.

Sie bekommen in der Regel innerhalb von 2-3 Wochen einen Termin.

  1. Erste Vorbesprechung
    Sie erhalten einen Termin zu einer Vorbesprechung mit einem Arzt und es werden eventuell weitere erforderliche Untersuchungen durchgeführt.

  2. Bestrahlungsplanung/Lagerung
    Die Ärzte erstellen auf Basis von aktueller Bildgebung einen exakten Bestrahlungsplan (Dosisverteilung, Anzahl der Bestrahlungseinheiten, etc.)

    Die Bestrahlung kann in der Regel etwa 1-2 Wochen nach dem ersten Termin beginnen. In manchen Fällen müssen vorher Lagerungshilfen angefertigt werden, damit die genaue Position bei jeder Bestrahlung sichergestellt ist.

  3. Die erste Bestrahlung
    Sie erhalten bei dem ersten Bestrahlungstermin genaue Informationen zum konkreten Ablauf. Nach der Lagerung auf der Behandlungsliege wird die Position des Tumors nochmals genau geprüft u.a. mittels Lasertechnik und digitaler Röntgentechnologie und mit den Bestrahlungsplanungen abgeglichen, damit die Strahlen exakt treffen.

    Die Bestrahlung dauert je nach Tumorgröße wenige Minuten bis ca. 60 Minuten, selten auch länger. Von der Bestrahlung spüren Sie nichts. Sie werden nur merken, dass sich der robotergesteuerte Tisch gelegentlich bewegt. Mittels Kamera-Überwachung und Kreislaufüberwachung im Fall einer Narkose (bei Kindern) wird die Sicherheit aller Patienten während der Bestrahlung sichergestellt.

  4. Die Therapiephase
    Die Behandlung wird in zwischen 5 bis 38 Sitzungen wiederholt – dabei werden Bestrahlungen in der Regel an 5-6 Tagen pro Woche mit einer Bestrahlungseinheit („Fraktion“) täglich wiederholt. Beispiel: wenn eine Bestrahlung mit 30 Fraktionen geplant ist, dauert die Therapiephase rund 6 Wochen.

    In den allermeisten Fällen müssen Sie nicht im Krankenhaus bleiben, sondern werden ambulant behandelt.

  5. Abschlussgespräch
    Häufig findet das Abschlussgespräch am letzten Tag der Bestrahlung mit dem behandelnden Arzt statt und Sie erhalten einen englischen Arztbrief und eine CD mit der Bestrahlungsplanung und den Bildern für Ihren Arzt im Heimatland.
    In aller Regel kann eine Abreise unmittelbar nach Behandlungsende erfolgen.

Grundsätzlich hat die Bestrahlung mit Ionen kaum Nebenwirkungen. Selten treten für eine Bestrahlungstherapie typische Nebenwirkungen auf und hängen davon ab, welche Körperregion bestrahlt wird. Zu möglichen Nebenwirkungen zählen etwa Müdigkeit, lokale Hautveränderungen und Schleimhautreizungen.

Nein, es gibt viele Erkrankungen oder Situationen, bei denen eine Bestrahlung mit Photonen ausreichend wirksam oder gar überlegen ist. Bei manchen Erkrankungen oder Konstellationen ist die Ionentherapie eindeutig überlegen. Welche Bestrahlungstherapie für Sie optimal ist, wird individuell im Einzelfall entschieden. 

Hier finden Sie Informationen zu weiteren Bestrahlungstherapie-Angeboten am Universitätsklinikum Heidelberg.

Besonders günstig ist der Einsatz von Ionenstrahlen bei bestimmten Krebsarten im Kindesalter, da das gesunde Gewebe maximal geschont wird. So können unter anderem Wachstums- und Entwicklungsdefizite sowie die Entstehung von Zweittumoren vermieden werden.

Bei Kleinkindern ist je nach Alter die Bestrahlung nur in leichter Narkose („Dämmerschlaf“ / keine Vollnarkose) möglich, da sie vollkommen still halten müssen; auch mit Lagerungshilfen kann dies bei Kindern nicht immer erreicht werden. Die täglichen Narkosen werden von erfahrenen Narkoseärzten und mit geringst möglicher Medikamentengabe durchgeführt. Die Behandlung erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung für Pädiatrische Onkologie, Hämatologie und Immunologie. Da die Kinder nicht frühstücken dürfen, werden diese Behandlungen stets zuerst am Morgen durchgeführt. Kinder bringen gerne zur Beruhigung ein Stofftier mit. 

Eine Auflistung der wissenschaftlichen Publikationen zum Thema Protonen- und Schwerionentherapie finden Sie hier